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Christuskirche: Modernes Gemeindezentrum in historischer Hülle

Das „Bonni“ (Kosename für das Dietrich-Bonhoeffer-Haus) hatte mit dem Blick auf die kommenden Jahrzehnte keine Zukunft, außerdem sollte sich die evangelische Stadtkirche an die Ansprüche der Gemeinde angleichen. Was tun? Das Presbyterium entschloss sich zu einer klaren Lösung: Ein Architekturwettbewerb für die Neuplanung der Gesamtkirche sollte es richten! Daraus entwickelten sich sechs Entwürfe. Den ersten Preis holte das Essener Architekten-Team „Koschany & Zimmer.“ Der Pfarrer Frank Grosser und Kirchmeister Karl-Heinz Salinga hatten eine Zielsetzung: Hell und vielseitig soll sich die Christuskirche präsentieren, dazu „offen für alle Gemeindemitglieder“ und - sehr wichtig: Der historische Baukörper muss grundsätzlich erhalten bleiben. Zuerst erfolgte eine Raumbedarfs-Bestandsaufnahme. Nicht immer einfach, was dann die Bauausführenden vorfanden, denn der Wiederaufbau der vom Krieg schwer mitgenommenen Kirche erfolgte Ende der Vierziger Jahre schnell und nicht immer gründlich. Die Statik verlangte jetzt eine Neubearbeitung, Fenster mussten nach unten aufgesägt werden, viele Details in dem Altbestand zeigten sich stark überholungsbedürftig – aber das Vorhaben gelang.

Völlig verändert: Der Gottesdienstbereich ist auch gleichzeitig Multifunktionssaal mit Erweiterungsmöglichkeiten. Hinter dem Altar die große Projektionswand.
Die Gestaltung des Jugendraums zeigt ebenfalls eine perfekte Innenarchitektur.

Dietmar Chudaska, in der Planung ebenfalls beteiligt, führte durch die Kirche und betonte: „Es gab auch kritische Stimmen, aber jede Neuerung braucht Zeit, bis sie ankommt!“ Und neu ist im Innenbereich fast alles, der Besucher ist bei der ersten Sichtung angenehm überrascht und fragt sich: „Wo bin ich hier, das hab` ich doch deutlich anders in Erinnerung?“ Der radikale Umbau vermittelt aber ein Bild der „Klarheit und Leichtigkeit!“ Die „aufgesetzte“ Metallhaube im Hauptgebäude zeigt offene Transparenz, das wirkt!

Bleiben wir im Gottesdienstbereich: Der Altar passt sich den Gegebenheiten diskret an, das Taufbecken mit einer flacher Schale unterstreicht den Anspruch. Die harten Kirchenbänke übernahm eine polnische Kirchengemeinde. Neue und bequeme Einzelsitze lassen die Protestanten jetzt länger verweilen. Radikal anders ist auch eine Medieninstallation von Philipp Bednarz, die es ermöglicht, Gesangbuchhinweise, Bilder und sogar Filme auf die Wandfläche hinter den Altar zu projizieren. Es geht noch weiter: Über den Computer lassen sich auch die Lichtsituationen den Gegebenheiten anpassen.

Wie ein roter Faden geht es variabel und multifunktional weiter, denn die Kirche soll auch das „Bonni“ als Veranstaltungsraum ersetzen: Die Kirche ist jetzt „das neue Gemeindezentrum und der Gottesdienstraum auch Veranstaltungsbühne!“ Die Lösung: Der Innenbereich ist variabel gestaltet durch bewegliche Holzakustik-Trennwände, dadurch kann sich eine größere Besucherzahl versammeln.

Durch die eingezogene Zwischendecke gehören einige neue Räume dazu, darunter ein großer Sitzungssaal, ergänzt durch einen kleinen Gesprächsraum und einen weiteren Gruppenraum. In die „neue Christuskirche“ weiterhin integriert ist ein Musikraum, eine moderne Küche und ein Ort für die Jugendarbeit, abgerundet durch ein Café mit Terrasse, sogar „Außengastronomie“ ist möglich.

Die Orgelempore (siehe hier auch den zweiten Artikel von Konrad Suttmeyer) präsentiert sich ebenfalls modern gestylt, der Aufgang zum Kirchturm bekam bei dem Umbau eine gründliche Überarbeitung. Die bisherigen, schönen Glasfenster brauchen ebenfalls eine Erneuerung, sollen aber nach der Renovierung wieder in alter Herrlichkeit erstrahlen. In Planung ist auch eine Entfernung der Waschbetonplatten auf dem Kirchenvorplatz, da soll es eine ansehnlichere Lösung geben.

Gefreut hat sich die Gemeindeleitung für die hilfreiche Unterstützung durch die katholische Stadtkirche, denn während der Umbauphase stellten sie für den Gottesdienst die Johanneskirche in Mitte-Ost zu Verfügung.

Wo das „Bonni“ stand, steht für vier Gruppen ein nagelneuer Kindergarten bereit, modern und lichtdurchflutet. Ihn leitet Friederike Abramczyk.

Text und Fotos: Peter Braczko

Die Christuskirche, ein modernes „Glanzlicht der Kirchenarchitektur“ im Innenbereich, denn das äußere Erscheinungsbild blieb bestehen.
Modern und sachlich, das Café im Erdgeschoss.
Neben der Christuskirche entstand an der Postallee ein neuer Kindergarten für vier Gruppen.
Die „Haube“ – von oben gesehen.
Zu einer Kirche gehört musikalische Unterstützung – im Bild der Musikraum.
Sehr gut gelöst: Durch den Einzug einer Zwischendecke konnten neue Versammlungsräume entstehen, im Bild der große Sitzungssaal.

Kathrin Heimann: Schiedsrichterin aus Leidenschaft

Sie rennt mit und beobachtet sehr aufmerksam alle Spielzüge: Kathrin Heimann stammt vom elterlichen, 250 Jahre alten Bauernhof in Butendorf. Die überzeugte Gladbeckerin ist mit ihrer Heimatstadt zufrieden: „Hier treffe ich immer Leute zum Quatschen, egal, wo ich gerade bin!“ Beruflich arbeitet sie als Biologin beim Gesundheitsamt in Duisburg-Ruhrort, aber in der Freizeit gehört ihre Leidenschaft dem Fußball. Das hat mit ihrem Vater Erhard Heimann zu tun, er ist Vorstand beim Fußballverein Wacker Butendorf. Ihre sportliche Erfahrung sammelte sie im Frauen-Team des FC Gladbeck, da lernte sie „aktiven Fußball“.

Es ging weiter: Der Vater brauchte dringend Schiedsrichter und fragte auch in der eigenen Familie nach. Sie sagte „ja“ und stand 2001 als „Unparteiische“ auf dem Platz. Erster Einsatz: Die D-Jugend des SV Zweckel spielte gegen Adler Ellinghorst. Das motivierte sie, denn die Nachwuchskicker hörten auf sie. Es ging weiter in anderen Spielklassen, dort suchten sie eine Schiedsrichterassistentin, auch noch heute besser bekannt unter dem Begriff „Linienrichterin!“

2011 kam ein besonderer Tag, sie rannte am Spielfeldrand mit, als der FC Bayern gegen den FFC Frankfurt spielte. Die „Kulisse“ gefiel ihr: Ein volles Stadion, eine deutlich andere Atmosphäre im Vergleich zu den Kreis- und Bezirksligen. Das zweite Bild hier entstand beispielsweise bei einem Spiel im Essener Rot-Weiß-Stadion in Borbeck, Kathrin Heimann als Assistentin an der Seitenlinie in der ersten Bundesliga, beim Frauenfußball der hochklassigen SGS Essen. Vor fünf Jahren pfiff sie eine Fußballbegegnung in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen, ein weiteres, sehr interessantes Erlebnis.

Dann wieder weiter als Schiedsrichterin in NRW. Ihre Entscheidung zählt: „War es Abseits, wer hat gefoult?“ Sie muss sich durchsetzen! Und Ärger? Einmal sah es etwas brenzlig aus. Da rannte sogar ihr Bruder Tim auf den Platz, um sie zu beschützen. Aber – so Kathrin Heimann – „die ersten Sekunden nach einer Entscheidung sind oft sehr emotional, meistens beruhigen sich die Spieler schnell wieder!“ Hier in Westfalen, in den oberen Ligen, da läuft es meistens problemlos, das spielerische Niveau ist hoch, außerdem sind immer zwei Assistentinnen oder Assistenten dabei.

Was sie nicht mag, sind die sogenannten „Schwalben“, beim Fußball die Situation, sich nach einem Zweikampf auf das Spielfeld fallen zu lassen und dabei eine Verletzung vorzutäuschen. Das Ziel: Für die eigene Mannschaft einen Freistoß oder Elfer herauszuholen – und der Gegner soll deswegen eine „bunte Karte“ erhalten. Das erlebt sie oft und sie hat dann die Aufgabe, das zu bewerten. Nicht immer einfach, denn da zeigen einige Kicker „großes schauspielerisches Talent!“ Dazu ergänzt sie: Glücklicherweise ist das bei einem Frauenfußballspiel eher selten!

Und das Wetter? Eigentlich, so verrät sie, bin ich lieber „Schönwetterschiedsrichterin“, das geht leider nicht immer. Bei einigen Spielen kann es vorkommen, dass es zwei Halbzeiten komplett durchregnet, dazu kommt die Kälte, da sind die Finger so gefroren, dass sie kaum ihre wichtigen Spielbewertungen auf das mitgeführte Notizbuch schreiben kann. Wichtige Voraussetzung für sie, sie muss fit bleiben, deshalb absolviert sie nach der Arbeit ihre sportliche Runde durch den Wittringer Wald, denn die Unparteiischen müssen immer mitlaufen, um die Spielzüge genau zu erkennen. Einmal im Jahr ist für die 36-jährige eine komplette Gesundheitsprüfung fällig – und das ist gut so.

Was sie vom Videobeweis hält, spricht sie klar aus: Das macht das Spiel fairer – aber der spontane Jubel der Zuschauerinnen und Zuschauer nach einem Treffer hat sich schnell erledigt, wenn ein paar Minuten später die Kamera feststellt: „Kein Tor, klar Abseits!“

Im Januar fuhr sie zu einem DFB-Lehrgang nach Mainz, da steht eine Laufprüfung auf dem Programm, dazu ein Videotest, wo sie sehr schnell auf Spielszenen reagieren muss, dazu kommen spezielle Regelfragen.

Dann die letzte Frage: Wen möchte sie gerne einmal persönlich treffen? Die Antwort: Franz Beckenbauer vom FC Bayern!

Peter Braczko

Kathrin Heimann als Linienrichterin in der ersten Frauenfußball-Bundesliga im RWE-Stadion Essen. Fotos: Peter Braczko

Der Heimatverein im 111. Jahr seines Bestehens

Bereits 1911 gründeten Gladbecker Honorationen den „Verein für Orts- und Heimatkunde“, also noch im Wilhelminischen Kaiserreich vor dem Ersten Weltkrieg. Im 111. Jahr seines Bestehens sieht sich der Verein mit seinem Führungsteam gut aufgestellt.

In der 111-jährigen Geschichte des Heimatvereins ist Wolfgang Keuterling erst der neunte Vorsitzende. Foto: Ulrike Pollmann

Der zehnköpfige Vorstand bietet die richtige Mischung aus erfahrenen Aktiven und „frischen“ Kräften. An der Spitze steht seit März 2019 Wolfgang Keuterling als Vorsitzender, der umsichtig die bisherigen Aktivitäten weiterführt, der aber auch wichtige neue Akzente setzt. Sein Vorgänger Heinz Enxing, der 28 Jahre den Heimatverein geleitet und geprägt hat, arbeitet als Ehrenpräsident weiter im Vorstand mit.

Über den Vorstand hinaus verfügt der Verein über aktive Mitstreiter und engagierte Tourenleiter sowie über ein Netzwerk verlässlicher Kooperationspartner und Förderer.

Bisher ist der Verein für Orts- und Heimatkunde, so der allgemeine Eindruck, einigermaßen unbeschadet durch die Coronazeit gekommen. Die Mitglieder sind ihrem Verein treu geblieben, während der zweijährigen Coronazeit hat sich ihre Zahl nicht verringert. Ende 2021 kam der Heimatverein auf 672 Mitglieder, womit er zu den großen Vereinen in Gladbeck zählt.

Besonders erfreulich: Allein 49 neue Mitglieder sind im letzten Jahr 2021 eingetreten und das, obwohl die Veranstaltungen wegen des langen Corona-Lockdowns der ersten Jahreshälfte erst im Juni wieder aufgenommen wurden. Anscheinend hat die Krisenzeit der Pandemie bei vielen Gladbeckerinnen und Gladbeckern die Heimatverbundenheit, die Identifikation mit ihrer Stadt und das Zusammengehörigkeitsgefühl noch verstärkt.

Trotz aller Einschränkungen konnten 2021 zahlreiche Aktivitäten stattfinden. Immerhin gab es 42 Veranstaltungen, überwiegend im Freien, also Führungen, Radtouren und Wanderungen, dazu z. B. auch ein Besuch der Synagoge in Gelsenkirchen, eine Weinprobe und stadtgeschichtliche Vorträge mit der Volkshochschule. Insgesamt haben an den Veranstaltungen im letzten Jahr 747 Personen teilgenommen – ein durchaus erfreuliches Ergebnis in den Zeiten von Corona, außerdem kam im Sommer 2021 erstmals eine „Gladbecker Rätsel-Radtour“ ins Angebot, an der sich erfreulich viele Einzelpersonen und auch Familien beteiligten. Auf einer Rundstrecke durch Gladbeck mussten an verschiedenen Stationen Fragen beantwortet werden. Unter den über 100 Einsendungen wurden originelle Gladbeck-Präsente verlost.

Die Internetseite www.heimatverein-gladbeck.de ist inzwischen eine wahre Fundgrube für Heimat-Informationen aller Art. Neu sind die Rubrik „Unbekanntes Gladbeck“ und die Fotogalerie „Gladbeck einst und jetzt“. Daneben wurden die Chronik der Stadt und die Übersicht der bedeutenden Personen erweitert. Über alle Aktivitäten informiert der Verein seine Mitglieder und andere Heimatfreunde regelmäßig in einer Art Newsletter per E-Mail. Allerdings ist sich der Vorstand darüber im Klaren, dass mit diesen „Heimat-Informationen“ leider viele der älteren Mitglieder ohne Mailadresse nicht zu erreichen sind.

Der Heimatverein unterstützt den Verkehrsverein bei der Herausgabe der Zeitschrift „Gladbeck unsere Stadt“. Für die drei Ausgaben in 2021 wurden mehrere Beiträge geliefert. Der Bezug des Stadtmagazins ist für die Mitglieder im Jahresbeitrag enthalten. Übrigens: Der Vereinsbeitrag von 13,00 Euro ist seit vielen Jahren unverändert. Weitere Familienangehörige als Mitglieder zahlen lediglich 2,50 Euro.

Und was ist vom Heimatverein im Jahr 2022 zu erwarten?

Geplant sind zwei Programme für das erste und zweite Halbjahr mit einem breiten Spektrum an Angeboten. Angesprochen sind die Mitglieder des Heimatvereins, aber in der Regel auch weitere Interessierte als Gäste. Fortgesetzt wird die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der VHS und dem Museum, insbesondere bei der Durchführung von Vortragsveranstaltungen und Bustouren.

Die 2020 gegründete Gruppe „Familienforschung“ setzt ihre Arbeit fort. Mit Spendengeldern der Sparkasse Gladbeck und der Volksbank Ruhr-Mitte wird der Baumlehrpfad in der Innenstadt erneuert, außerdem stehen neue „Legendenschilder“ zur Erklärung von Straßennamen auf der Anschaffungsliste. Weiter ist für den Sommer eine Neuauflage der „Gladbecker Rätsel-Radtour“ geplant. Bereits vorbereitet ist eine neue „Gladbecker Denkmaltour“ für Radler, die erstmals am „Tag des offenen Denkmals“ im September stattfindet. Ebenfalls neu ausgearbeitet ist der „Gladbecker Kultur-Spaziergang“. Das ist ein geführter Rundgang durch die Innenstadt, veranstaltet zusammen mit „Vlipp e. V.“, dem neuen Verein zur Förderung der Kultur- und Kreativakteure in Gladbeck.

Natürlich stehen einige Aktivitäten des Heimatvereins unter dem Vorbehalt, wie sich die Pandemie 2022 weiterentwickelt. Gerade die geselligen Veranstaltungen, die für das Vereinsleben so wichtig sind, können häufig noch nicht stattfinden. So musste schon im zweiten Jahr in Folge auf das beliebte Grünkohlessen verzichtet werden.

Trotz der noch nicht ausgestandenen Pandemie geht der Verein für Orts- und Heimatkunde mit vorsichtigem Optimismus in die nächste Zeit. Der Verein will auch in Zukunft, so Wolfgang Keuterling als Vorsitzender, „ein wichtiger Partner für die Bürgerinnen und Bürger wie auch für die Institutionen unserer Stadt sein“.

Dietrich Pollmann
Stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins

Wer sich in den Mailverteiler des Heimatvereins aufnehmen lassen möchte oder an einer Mitgliedschaft interessiert ist, wendet sich an Wolfgang Keuterling, Tel. 02043/44487 oder per E-Mail: info@heimatverein-gladbeck.de.

Geführte Radtouren sind im Heimatverein besonders beliebt. Hier eine Gruppe auf der Fahrt „Von Schacht zu Schacht“ mit Tourenleiter Alfred Lohe (untere Reihe, 4. von links) vor dem Förderturm der früheren Zeche Consolidation in Gelsenkirchen. Foto: Dietrich Pollmann