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Gladbeck erwartet ein turbulentes Jahr

Unsere Stadt ist 100 Jahre alt und ihr Geburtstag wird ausgiebig gefeiert. Alle ziehen an einem Strang! Naturgemäß schauen wir dabei vor allem auf die Vergangenheit, auf Gladbecks Geschichte. Aber es lohnt auch ein Blick nach vorn. Denn das nächste Jahr wird mit Sicherheit nicht nur Freundlichkeiten, Spaß und gute Laune bringen. Turbulenzen, Streit und Ärger stehen an.

Sicher ist: Gladbeck wird ein neues Stadtoberhaupt bekommen. Bürgermeister Ulrich Roland, seit 2004 im Amt, tritt bei der Kommunalwahl im September aus Altersgründen nicht mehr als SPD-Kandidat an. Einstimmig hat der Vorstand des Stadtverbands Bettina Weist für seine Nachfolge nominiert, beim SPD-Stadtparteitag soll sie offiziell gewählt werden. Die 51-jährige Mutter zweier Söhne ist seit 2010 Leiterin des Amts für Bildung und Erziehung.

Die CDU schickt den Vorsitzenden ihres Stadtverbandes, Dietmar Drosdzol, ins Rennen ums Bürgermeisteramt. Der gebürtige Gladbecker ist 55 Jahre alt, verheiratet, hat eine erwachsene Tochter und wohnt auf dem Rosenhügel. Der selbstständige EDV-Sachverständige ist seit 2002 CDU-Mitglied, seit 2004 im Rat der Stadt und seit 2014 stellvertretender Fraktionschef.

Die Grünen haben die Vorsitzende ihrer Ratsfraktion, Simone Steffens, zur Bürgermeister-Kandidatin gewählt. Es ist bereits die dritte Kandidatur der 50-Jährigen, von 2009 bis 2014 war die Sozialpädagogin und Suchttherapeutin stellvertretende Bürgermeisterin. Die Gladbeckerin hat zwei Söhne (10 und 16) und baut auf das derzeitige Hoch der Grünen.

Heftige Auseinandersetzungen wird es auch weiter ums Windrad auf der Mottbruchhalde gaben, das die STEAG dort errichten will und das der Kreis genehmigt hat. Vor Ort gibt´s breite Ablehnung, auch der Rat hat sich mehrfach dagegen ausgesprochen. Die Stadt klagt gegen die Genehmigung. Sie will die Mottbruchhalde zur Internationalen Gartenausstellung 2027 als Teil der ‚Haldenwelt Gladbeck‘ für Kultur, Sport und Naherholung entwickeln. Gegen die Klage machen jetzt die Grünen Front. Man könne nicht den Klimanotstand ausrufen und dann ein Windrad verhindern, so die Fraktionsvorsitzende Simone Steffens. Der Streit zwischen Gladbeck und dem Kreis RE sorgt auch jenseits der Stadtgrenzen für Wirbel.

Manfred Bogedain

Gladbeck feiert einen ganzen Sommer lang

Was war das für ein toller Sommer, den sich Gladbeck da zum 100. Geburtstag der Stadt geleistet hat! An allen Ecken und Kanten wurde gefeiert. Ein Fest jagte das nächste. Veranstaltungen gab´s reihenweise. Und die Bürgerinnen und Bürger – Groß und Klein – mischten kräftig mit, wurden nie müde, ganz gleich ob in privaten Grüppchen oder kleinen und großen Vereinen.

Da gab´s Stadtspaziergänge mit Prominenten aus dem Rathaus. Oder eine Zeitreise durch die Stadtgeschichte, als in der Stadthalle das Jubiläums-Musical ‚Vom Dorf zur Stadt‘ erklang, zugleich so etwas wie ein großes Familientreffen. Eltern, Verwandte und Freunde der Akteure, aber auch ‚normale‘ Musikliebhaber sorgten für ein ausverkauftes Haus, als Initiator Walter Hüßhoff das Publikum begrüßte. Die Organisatoren hatten vorher Liedtexte verteilt und das Volkslied ‚Horch, was kommt von draußen rein‘ animierte gleich die Zuhörer, kräftig mit einzustimmen. Zweieinhalb Stunden lang wurden Volkslieder, Gassenhauer, Schlager, Rock und Pop präsentiert, unterstützt vom sangesfreudigen Publikum. Zum Schlussakkord der Lambertikinder mit dem ‚Steigerlied‘ gab´s tosenden Applaus für alle Akteure, die sich auf der Bühne versammelt hatten.

Doch das war nur eine von rund 40 Ideen, die Gladbecker Bürgerinnen und Bürger in Eigenregie umgesetzt haben. Auch die Meisterschaft im Deutschen Blitzschach war ein Programmpunkt im Jubiläumsjahr, ebenso wie ‚Ein Tag wie vor 100 Jahren‘, den der Seniorenbeirat organisierte. 28 Mitgliedern der ‚foto ag‘ ist es gelungen, 100 Gladbeckerinnen und Gladbecker im Alter von 1 bis 100 Jahren für die Ausstellung ‚100 Jahre – 100 Gesichter‘ vor die Kamera zu bekommen. Dabei entstand eine beeindruckende ‚Ahnengalerie‘ mit 100 Porträtfotos, quer durch alle Altersklassen der Gladbecker Stadtgesellschaft. Im Forum der Stadtbücherei war die Ausstellung bis zum 9. November zu sehen.

Mehr als 1000 Gäste feierten Ende Juni vor dem Rathaus das Stadtjubiläum an 100 Tischen bei strahlendem Sonnenschein mit einem ‚Picknick ganz in Weiß‘: ein harmonisches und friedliches Miteinander mit vielen Höhepunkten. Bürger, Vereine, Institutionen  – alle waren der Einladung zum Mitfeiern gefolgt und hatten sich, dem Motto gemäß, schick und festlich in Weiß gekleidet. Die ersten Besucher machten es sich schon um kurz nach 10 Uhr auf dem Willy-Brandt-Platz gemütlich. Im Gepäck: Picknickkörbe – gefüllt mit Brot, Salaten, Frikadellen, Kuchen und Kühltaschen mit Sekt und Selters. Jeder deckte und dekorierte nach Herzenslust seine eigene Geburtstagstafel – dicht gedrängt und nebeneinander. Und mancher ging von Tisch zu Tisch auf Entdeckungsreise, es wurde ge- und begrüßt, miteinander geplaudert, gelacht und gegessen.

Hunderte Zuschauer begruessten auf dem Rathausplatz den Festumzug, Foto: Bogedain

Appeltatenfest und neue Koenigin

Am ersten Wochenende im September steht Gladbeck in jedem Jahr Kopf. Denn dann feiert es traditionell das Appeltatenfest. Aber diesmal war es nicht zu überbieten. Es begann mit dem Empfang der Delegationen der Partnerstädte auf Schloss Wittringen, im Jubiläumsjahr unter dem Motto: ‚100 Jahre Stadt Gladbeck. Jahrzehnte im Zeichen der Freundschaft‘. Die grenzüberschreitende Verbundenheit hält ja auch schon lange: die Partnerschaft mit Marcq-en-Baroeul 55 Jahre, mit Schwechat 53, mit Enfield 49, mit Fushun 31, mit Wodzislaw und Wandlitz 29 sowie mit Alanya 26 Jahre.

Ein Jahrmarkt wie in alten Zeiten bot besondere Attraktionen zum Appeltatenfest am Stadtgeburtstag. Ein nostalgischer Rummel mit alten Karussells und vielen musikalischen Highlights lockte Kirmesfreunde drei Tage lang auf dem Marktplatz in Mitte. Sie kamen voll auf ihre Kosten bei der Veranstaltung des Kulturamtes der Stadt.

Auf dem Rathausplatz entspann sich derweil ein ungewöhnlicher Wettkampf: fünf Kandidatinnen gingen ins Finale um die Krone der Appeltaten-Königin. Doch die Jüngste entschied den Wettkampf schon früh für sich: die 22 –jährige Melis Bilici ist neue Majestät. Sie schälte mit 2,74 Meter die längste Apfelspirale und stapelte die meisten Äpfel. Bereits nach zwei Disziplinen hatte sie die Apfel-Olympiade für sich entscheiden und regiert jetzt als 31. Gladbecker und zugleich jüngste Appeltaten-Majestät. „Dat Ding ist eigentlich schon gelaufen“, bemerkte Moderator Manni Breuckmann, der durch die Olympiade führte, bereits während der dritten Disziplin. Denn nach einer guten halben Stunde Wettkampf war klar: Melis Bilicis Punktevorsprung ist nicht mehr einzuholen.

Den verdienten Lohn gab´s dann am Sonntag-Nachmittag. Pünktlich um 15 Uhr erreichte die Kutsche mit der neuen Appeltaten-Königin den Willy-Brand-Platz. Bürgermeister Ulrich Roland begleitete alte und neue Majestät zur Bühne, wünschte der neuen Königin alles Gute für die Amtszeit. „Du wirst die Herzen der Gladbecker im Sturm erobern.“ Lobende Worte fand er auch für ihre Amtsvorgängerin Andrea Sauer, „die mit ihrer offenen und zugewandten Art auf die Menschen zu gegangen ist.“

Der Bürgermeister legte Melis Bilici die Amtskette an, Andrea Sauer überreichte ihr feierlich das Zepter. Als ersten Preis erhielt die neue Majestät traditionell eine Goldkette mit Apfelanhänger und Diamanten im Wert von 2200 Euro und eine Reise nach Alanya. „Ich bin aufgeregt, wie Sie es vielleicht an meiner Stimme merken“, begann die junge Königin ihre Antrittsrede. Ihr besonderer Dank galt ihrer Amtsvorgängerin Andrea Sauer, die sie beim Stadtpicknick überredet hatte, sich für das Amt der Appeltatenmajestät zu bewerben.

Grosser Festumzug gibt sich historisch

Diese Krönung war wohl der Höhepunkt eines großen und unvergesslichen Festumzugs, der in Gladbecks Geschichtsbücher eingehen dürfte. Zum 100-Jährigen setzten sich 32 Gruppen mit gut 800 Teilnehmern am Festplatz in Marsch. An der Spitze kündigten sechs ‚historische‘ Türmer das Spektakel an, das gut eineinhalb Stunden durch die ganze Innenstadt zog. An Bord der mit Sonnenblumen geschmückten Kutsche die ‚alte‘ Majestät Andrea Sauer und ihre Nachfolgerin. In einem Planwagen folgten ehemalige Majestäten, begleitet von einem prall mit Äpfeln gefüllten Erntewagen von Bauer Philipp Maaßen.

Dahinter reihten sich Gruppen, Vereine, Verbände und Organisationen ein. Vorneweg die Freiwillige Feuerwehr, teils in historischer Montur, mit einer Spritze von 1852. Die Feuerwehr Bottrop war mit einem historischen Löschfahrzeug mit von der Partie. Angeführt vom Stadtkönig Vito Acconci marschierten etwa 150 Schützen aller sechs Schützenvereine mit. Eine Augenweide die Gruppe der Handwerker: 40 Berufe erinnerten an die Vergangenheit der Gilden und Zünfte. Der Geschichtsverein Graf Moltke verwies mit einem Förderturm auf Gladbecks Wurzeln, der Knappenverein trat mit einer Truppe von Kittelträgern auf, der Freundeskreis Marcq-en-Baroeul in gallischen Ritteruniformen.

Models posierten im Stil der 50er-Jahre als ‚La Classica Donna‘. Dazu passte ein historischer ‚Käfer‘ mit Brezelfenster von Andreas Dehling. Hingucker auch historische Arbeitsgeräte von Gladbecker Landwirten, mit dabei eine Gruppe ‚historisch‘ gekleideter Tennisdamen, die Wittringer Ritter mit uniformierten Narren, mehrere Siedlergemeinschaften, aber auch Gruppierungen von Migranten in landestypischer Kleidung.

Der Verein für Luftschifffahrt begrüßte den Festumzug am Rathaus mit einem Gasballon. Es war „ein großer Aufmarsch – bunt und abwechslungsreich“, freute sich Organisatorin Karen Wesselborg. Ein gelungenes Fest von Bürgern für Bürger.

Manfred Bogedain

Kunst-Foerderpreise sind auch heute noch wichtig

In diesem Jahr feiert Gladbeck sein 100-jähriges Stadtjubiläum und selbstverständlich gratuliert dazu auch der Verkehrsverein, der übrigens schon seit 1913 besteht. Von jeher war es unser Bestreben, die eigene Stadt etwas schöner, sicherer und interessanter zu machen. Vieles hat sich mit der Zeit verändert und heute braucht niemand mehr einen Verkehrsverein, um ein Hotel zu buchen.

Doch da es uns immer ein Anliegen war, die Außenwirkung von Gladbeck zu stärken, hat der Verkehrsverein 2013 die Vergabe des Wilhelm-Zimolong-Förderpreises für junge Künstler übernommen. Um den deutschlandweit ausgelobten Preis bewerben sich viele Kunst –Studenten aus allen Landesteilen. Die Nominierten, die zur Ausstellung ‚Junge Kunst im Ruhrgebiet‘ nach Gladbeck eingeladen werden, sind von der Stadt wie von der hiesigen Kulturszene angenehm überrascht. Und diese Botschaft wird von ihnen heimgetragen. Längst hat sich unser Förderpreis in Kunst-Kreisen überregional einen Namen gemacht, hat er doch bekannte KünstlerInnen und Kunstprofessoren hervorgebracht wie Gereon Krebber oder Judith Samen.

Der Gewinnerin des Sonderpreises der Stadt, Ute Schaetzmueller aus Essen, gratulierten 2015 Buergermeister Ulrich Roland und Karoline Dumpe.

Fuer die naechste Vergabe im August 2020 wird der Verkehrsverein sein Preisgeld auf 5000 Euro erhoehen.

Nun kann man die Frage stellen, ob das nötig ist oder ob Kunstpreise überhaupt noch Relevanz haben? Ich kann das mit einem klaren Ja beantworten. Wir leben in einer Zeit, in der große Veränderungen anstehen, und niemand weiß, wie sie aussehen werden. Wir in Gladbeck, aber auch die Region, Deutschland und die Welt brauchen kreative Lösungen, um diese Herausforderungen zu meistern. Und nirgendwo wird Kreativität so sichtbar wie in der Kunst.

Wie selbstverständlich sagen wir vor einem Kunstwerk „Ach, was für eine tolle Idee“. Selbst wenn uns das Werk nicht gefällt, sind wir bereit und in der Lage, die Idee zu respektieren. Wir diskutieren sogar mit anderen darüber, manchmal mit völlig fremden Menschen.

Viele Künstler machen Beobachtungen und heben ihre Wahrnehmung durch ihre Arbeit auf eine andere Ebene, was letztendlich eine Transformation ist. So machen sie uns ihre Thematik bewusst und regen uns im besten Fall zum Denken an. Die Kunst ist einer der letzten Bereiche, in der es Freiraum gibt, und das ist in der heutigen Zeit viel wert. Alles denken zu dürfen – alles ausprobieren zu dürfen. Was kann an Kunst falsch sein?

Vielleicht kann dieser Gedanke eine Brücke zu den Ingenieurskünsten schlagen, wie sie früher genannt wurden. Aber irgendwie scheint der Gedanke, dass Ingenieure Ideen haben oder kreativ sein können, abhanden gekommen zu sein. Dabei braucht es gerade die Fantasie der Ingenieure, Chemiker, Finanzwirte usw., um Know-how zu entwickeln und Deutschlands wirtschaftlichen Erfolg zu sichern.

Die Idee steht am Anfang aller Dinge, nicht nur in der Kunst!

Ich bin der Meinung, es lohnt sich ein Preisgeld zu vergeben, das jungen Künstlern bei ihrem beruflichen Start hilft. Denn jedes Kunstwerk erinnert uns daran, dass Einfallsreichtum überall stattfindet. Wir sehen es nur nicht immer!

Karoline Dumpe

Ein Geschenk des Verkehrsvereins an Gladbeck: die Seilscheibe an der Europabruecke. Foto: Peter Braczko