Stadtgeschichte: Gestern bis heute

Grußkarte Gladbeck
Auf dieser Karte von 1876 ist die St. Lamberti-Kirche nur als Zeichnung zu sehen. Sie wurde erst 1899 fertig gestellt. Die Kaiserliche Post war am Markt, daneben die Gaststätte Flügge. Das (zweite) Amtshaus stand am späteren Standort von Karstadt.
Ansichtskarten aus 'Gruß aus Gladbeck', Verein für Orts- und Heimatkunde.

 

Gladbeck ist eine sehr junge Stadt. Erst am 21. Juli 1919 erhielt die damalige preußische Landgemeinde Gladbeck das Städterecht verliehen. Tatsächlich kann Gladbeck jedoch auf eine viel längere Geschichte zurückblicken: Bedeutende frühgeschichtliche Funde belegen, dass bereits vor rund 4000 Jahren auf dem heutigen Stadtgebiet Menschen lebten.

Um 900 taucht Gladbeck dann erstmals in der überlieferten Schriftsprache auf. Als "Gladbeki" wird es in einem Güterverzeichnis des Klosters Werden erwähnt. Damals schenkte ein gewisser Dindo dem Kloster Besitztümer in "Gladbeki". Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung Gladbecks stammt aus dem Jahre 1161.

Bis ins vorige Jahrhundert blieb Gladbeck ein kleines westfälisches Dorf, das sich um die St. Lamberti-Kirche gruppierte und mit den fünf Bauernschaften Zweckel, Rentfort, Ellinghorst, Butendorf und Brauck nur wenige hundert Einwohner zählte. Anfang der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts lebten knapp 3000 Menschen im Dorf. Damals erfasste die Nordwanderung des Ruhrbergbaus mit den Abteufarbeiten für die erste Schachtanlage im Dezember 1873 das Gemeindegebiet.

Ab 1878 wurde dort Kohle gefördert. Mit der nach und nach ansteigenden Kapazität dieser ersten Zeche strömten Bergleute von überallher nach Gladbeck. Von 1898 bis 1901 wurden z. B. auf der Zeche Graf Moltke Kumpel aus 58 verschiedenen Provinzen oder Ländern gezählt. Die Bevölkerungszahl stieg sprunghaft an: 1915 hatte Gladbeck bereits 52.273 Einwohner.

Auf fünf Zechen wurde Kohle gefördert. Gladbeck veränderte sich in dieser Zeit von Grund auf. Den gestiegenen Einwohnerzahlen wurde jedoch erst 1919 mit der Verleihung der Stadtrechte Rechnung getragen. Schwierige wirtschaftliche und politische Verhältnisse nach dem 1. Weltkrieg und Ende der 20er Jahre markieren die weitere Entwicklung der jungen Stadt, die nur zwischen 1925 und 1929 eine kurze Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs erlebte.

Einige bis heute das Stadtbild prägende Vorhaben wurden in dieser kurzen Zeitspanne realisiert, z. B. das Naherholungsgebiet Wittringen mit Schloss, Stadion und Schwimmbad oder der Jovyplatz mit seinen repräsentativen Verwaltungsgebäuden. Ende der 50er Jahre erreichte die Stadt als Folge des enorm gestiegenen Kohlebedarfs mit 84.000 die bisher höchste Einwohnerzahl.

Aber schon bald gab's erste Krisen Bergbau. Gewarnt durch die katastrophalen Erfahrungen zu Anfang der 30er Jahre versuchten Wirtschaft und Politik, die einseitige Ausrichtung auf den Bergbau durch Ansiedlung neuer Industrien nach und nach zu verändern.

1971 endete mit der Schließung der Zeche Graf Moltke die Bergbauepoche in der Geschichte der Stadt. Die knapp 100 Jahre Bergbau haben Gladbeck völlig umgekrempelt und geprägt. Grüne Zechensiedlungen, die als Musikschule genutzte ehemalige preußische Berginspektion, Zechenmauern und vor allem die unübersehbaren begrünten Halden erinnern noch heute an die Bergbautradition unserer Stadt.

Gladbeck ist zwar immer noch Industriestadt, aber sie glänzt mit vielen Parks und Grünflächen, dazu ausgedehnten Waldgebieten in nächster Nähe. Mit dem Ende des Bergbaus drohte im Zuge der kommunalen Neugliederung auch das Ende der Stadt. Die 1975 vollzogene Eingemeindung nach Bottrop wurde jedoch nach massiven Protesten durch den Verfassungsgerichtshof des Landes am 6. Dezember 1975 wieder rückgängig gemacht.

Seit 1976 gehört Gladbeck als selbständige Stadt zum Kreis Recklinghausen. In dieser Zeit hat sie sich trotz dauerhaft hoher Arbeitslosigkeit kontinuierlich weiterentwickelt. Die innerstädtische Infrastruktur wurde mit dem Bau des Kulturzentrums (mit Mathias-Jakobs-Stadthalle, Stadtbücherei und Kinder- und Jugendtreff) und der Arthur-Schirrmacher-Sporthalle deutlich aufgewertet. Ergänzt wurden diese Anstrengungen durch Erweiterungsbauten an zwei der drei städtischen Gymnasien sowie durch weitere wichtige Schulbaumaßnahmen.

Um neue Unternehmen in Gladbeck anzusiedeln, bestehenden Firmen eine Entwicklungschance zu geben und somit einen Beitrag zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zu liefern, hat Gladbeck mit Unterstützung der Europäischen Union auf ehemaligem Zechen-gelände den Gewerbepark Gladbeck-Brauck entwickelt. Zahlreiche neue Unternehmen haben sich inzwischen angesiedelt. In geringem Umfang steht jedoch noch Platz für weitere Gewerbe zur Verfügung. Das lässt hoffen, dass im Gewerbepark Gladbeck-Brauck weitere dringend benötigte neue Arbeitsplätze entstehen und damit eine kontinuierliche Entlastung für den Arbeitsmarkt eintritt.

Darüber hinaus stehen seit 1995 mit dem Innovationszentrum Wiesenbusch und dem INNOVA-Park Wiesenbusch neue hochwertige Gewerbeflächen im Schnittpunkt von A 31 und A 2 zur Verfügung. Sie stoßen auf großes Interesse vor allem bei jungen Unternehmen und Existenzgründern. Stadt und Land versprechen sich davon neue, zukunftssichere Arbeitsplätze und einen wesentlichen Beitrag zur Bewältigung des Strukturwandels.

Dass dieses Konzept offenbar aufgeht, zeigen erfolgreiche Ausgründungen aus dem Innovationszentrum in den INNOVA-Park. Das Innovationszentrum Wiesenbusch hat sich mittlerweile zum 'Kompetenzzentrum für Solarthermie und Wärmepumpentechnik' entwickelt und ist fester Bestandteil der Landesinitiative 'Zukunftsenergien' in NRW. Mit dem Projekt 'Solares Kühlen' geht das IWG ganz neue Wege: In einer Versuchsanlage wird Kälte mittels einer von Sonnenenergie gespeisten Kältemaschine erzeugt.

Bereits 1997 wurde Gladbeck in einem bundesweiten Wettbewerb des Bundesfamilienministeriums zusammen mit 14 anderen Städten und Gemeinden als besonders kinder- und familienfreundliche Stadt ausgezeichnet. In der Tat gibt's zahlreiche Angebote für Kinder und Familien: vom umfangreichen Beratungs- und Betreuungsangebot, attraktiven Schulen, teils mit Ganztagsangeboten, tollen Spielmöglichkeiten bis zu vielen Möglichkeiten speziell für Familien mit Kindern, kostengünstig zu bauen.

2002 erhielt Gladbeck den 1. Preis (Städte bis 100.000 Einwohner) im Wettbewerb 'Sportgerechte Stadt' des LandesSportBundes NRW. Gewürdigt wurde neben dem umfangreichen Sportstättenangebot die fundierte Sportentwicklungsplanung, die intensive Zusammenarbeit zwischen Schulen und Vereinen sowie das funktionierende Netzwerk zwischen Sportpolitik, Sportverwaltung und Sportselbstverwaltung.

Gefeiert wird in Gladbeck natürlich auch: Anfang Mai heißt es regelmäßig 'Gladbeck total...' und am Nikolauswochenende bringen 'Kunst und Jazz im Rathaus' Gäste aus der Region in die Stadt. Und an jedem 1. Wochenende im September lockt das Appeltatenfest. Dieses historische Volksfest knüpft an einen bis ins 13. Jahrhundert zurückgehenden Markt an. Nachdem das Fest Anfang des letzten Jahrhunderts verboten worden war, wird es seit dem 70jährigen Stadtjubiläum 1989 wieder gefeiert. Zwei Tage lang dreht sich dann in der gesamten Innenstadt alles um den Apfel.

Geboten werden neben Äpfeln in allen Formen historische Märkte und Verkaufsstände, die Innenstadt ist voller Stammtische, ein großes Musikfest am Samstag und ein verkaufsoffener Sonntag locken die Besucher in Scharen nach Gladbeck. Bis zu 150.000 waren es in den vergangenen Jahren.

Wenn Sie Näheres zum Appeltatenfest und den anderen Gladbecker Festen wissen wollen, wenn Sie weitere Informationen über unsere Stadt benötigen, Ansprechpartner finden Sie hier:

E-Mail: info@stadt-gladbeck.de

Referat für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung

Tel.: 02043/99-2428
Fax: 02043/99-1020

E-Mail: wirtschaftsfoerderung@stadt-gladbeck.de

Quelle Stadt

Amtshaus Gladbeck
1917 hieß das Rathaus noch Amtshaus, denn erst zwei Jahre später erhielt Gladbeck die Stadtrechte. Hinten rechts das van-Suntum-Haus.