Riesener-Brunnen

Riesener-Brunnen
Riesener-Brunnen

Zwei Anlässe gab es am 2. Juli 1976 für den Verkehrsverein, der Stadt diesen Brunnen auf dem Rathausplatz zu schenken. Der aktuelle: die Stadt feierte die wiedererlangte kommunale Selbständigkeit nach einem Jahr Eingemeindung nach Groß-Bottrop.
Der historische Anlass reicht bis 1734 zurück, als Johann Heinrich Riesener, später weltberühmter Möbelkünstler am Hofe Ludwig XVI., in der Gladbecker Lambertikirche getauft worden war.

Bis 1934, dem Jahr, in dem sich der 200. Geburtstags des berühmten Ebenisten jährte, ging die Welt davon aus, dass Mönchengladbach Johann Heinrich Rieseners Geburtsstadt sei. Dann folgte Dr. Ludwig Bette dem Hinweis eines Kölner Kunsthistorikers und gab der Stadt Gladbeck mit den entsprechenden historischen Nachweisen ihren größten Sohn wieder zurück.

Leo Neumann, ein Bildhauer aus Oelde, gestaltete den Riesener-Brunnen. Sechs bodenständig fußende und hochstrebende Bronze-Säulen werden vom Brunnenwasser umsprüht. Bei der Einweihung interpretierte Gladbecks damaliger Oberstadtdirektor Otto Rump sie als Symbol einer Aufforderung zu Mut und Festigkeit, zur Reinheit und zum Nimmerruhen.

Johann Heinrich Riesener wurde am 4. Juli 1734 in Gladbeck geboren. Im Kirchenregister von St. Lamberti  unter dem Datum des 11. Juli 1734 getauft als Sohn des Johann Hermann Riesener und der Margarete Brahms. Sein Vater war „Stuhldrechsler und Kötter"; den elterlichen Betrieb hat später ein Bruder Johann Heinrichs übernommen.

Wie Johann Heinrich Riesener nach Paris gekommen ist, ob als wandernder Geselle oder durch die Protektion des Fürstbischofs, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall scheint er sehr jung in die Werkstatt von Jean François Oeben gekommen zu sein. Dieser Ebenist, gleichfalls deutscher Abstammung, hatte sich damals im Arsenal von Paris niedergelassen.
Nach seinem Tod  am 2. Januar 1763 ist die Werkstatt wohl eine Zeitlang von Wynant Stylen geleitet worden, der offenbar Oebens erster Mitarbeiter war. Tatsächlich hatte die Witwe eines Ebenistenmeisters nach den Zunftregeln in Paris das Recht, die Werkstatt zu behalten, wenn sie über einen qualifizierten Gesellen verfügte.

Jean Henri Riesener, wie er sich in Paris nannte, ist einer der berühmtesten Kunstschreiner aller Zeiten. Nach seiner Herkunft deutsch, nach seinem Bildungsgang französisch-deutsch, verdankt er Paris und dem französischen Hof seinen Erfolg. Bei ihm finden sich zwei grundverschiedene Kunstauffassungen vermischt. Und doch, was wäre aus Riesener ohne Frankreich geworden? Die französische Möbelkunst des 18. Jahrhunderts hätte wohl auch ohne ihn ihre ruhmreiche Entwicklung weiterführen können, dennoch hat die Persönlichkeit Rieseners dem französischen Möbel einen markanten Stempel aufgedrückt. Vor allem fand Riesener immer wieder Auftraggeber, die sein Talent würdigten. Häufig wurde er von diesen geführt und angeleitet, so dass sich seine Genialität voll entfalten konnte.